Wissenstransfer Ammoniak

Reduktion der Ammoniakverluste aus der Landwirtschaft

Massnahmen Rindvieh 

Das Umweltziel Landwirtschaft bezüglich Ammoniak ist trotz der Umsetzung von Ammoniak-Ressourcenprojekten in 21 Kantonen bei weitem nicht erreicht. Zahlreiche Kantone diskutieren deshalb, mit welchen Massnahmen die Emissionen weiter gesenkt werden sollen. Mehrere Kantone setzen Massnahmenpläne Luft um, die auch Massnahmen zur Reduktion landwirtschaftlicher Ammoniakemissionen beinhalten. Ab 2018 werden folgende Massnahmen in Rindviehlaufställen zur Minderung der Ammoniakemissionen in allen Zonen mit Beiträgen von Bund und Kanton gefördert: - Laufflächen mit Quergefälle und Harnsammelrinne à Fr. 240.- / GVE - Erhöhte Fressstände à Fr. 140.- / GVE. Der Vollzug der Massnahmen erfolgt durch die kantonalen Fachstellen für Strukturverbesserungen.

Die Tabelle unten zeigt auf, ob und wenn ja welche Massnahmen heute von Bund, Forschung und Kantonen zur Umsetzung empfohlen werden.

Dabei werden die Massnahmen in die folgenden drei Kategorien aufgeteilt:

  1. Generelle Umsetzung in der Schweiz ohne Einzelprüfung
  2. Umsetzung fallspezifisch entsprechend dem betrieblichen Einzelfall
  3. Umsetzung zur Zeit nicht empfohlen, da Punkte dagegen sprechen oder noch nicht geklärt sind 


Die Massnahmenliste zeigt den aktuellen Stand des Wissens (Stand: März 2017). Sie wird laufend von Forschung und Behörden geprüft und nachgeführt.

  • Alle
  • Generelle Umsetzung
  • Umsetzung fallspezifisch
  • Umsetzung nicht empfohlen

Reduktion der verschmutzbaren Flächen durch Funktionsbereiche (Nr. 1)

Anforderung/Ziel
Minimierung der verschmutzbaren Fläche

Minderungsprinzip und Beschreibung
Durch geschickte Anordnung, Kombination von Funktionsbereichen (Aktivitäts-, Liege- und Fressbereich) und entsprechende Nutzung können verschmutzte Flächen begrenzt werden (siehe Abb. 23-Abb. 27 und Tab. 31 in der Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft, Anhang A8).
Das bedeutet, Flächen werden in denjenigen Bereichen zur Verfügung gestellt, in welchen ein hoher Tieraufenthalt vorkommt. In weniger genutzten/relevanten Bereichen sind eher Mindestabmessungen zu realisieren.

Begründung/Bemerkung
Bei Laufstall-Konzepten mit möglichst wenig emittierender Fläche (z.B. zwei- und mehrreihige Anordnung der Liegeboxen; ohne Laufhof) sind keine Mehrkosten zu erwarten.

Oberflächen für raschen Abfluss und Elemente zum raschen Ableiten von Harn auf Laufhöfen (Nr. 3)

Anforderung/Ziel
Rasche Drainage und saubere, trockene Lauffläche

Minderungsprinzip und Beschreibung
Durch rasches Abfliessen des Harns von der Lauffläche wird die Ammoniakfreisetzung reduziert.
Der Laufhof verfügt über einen planbefestigten Boden mit einem Quergefälle von 3 % und eine Harnsammelrinne sowie eine mobile Entmistung (vgl. Abb. 32 in Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft).

Begründung/Bemerkung 
Es ist keine Quantifizierung des NH3-Minderungspotenzials vorhanden.
Die Laufhofbenutzung durch die Tiere ist teilweise gering.
Im Agrammon Einzelbetriebsmodell mit kantonalen Anpassungen beträgt die NH3-Minderung ca. 5%. (hier wird aber von mittiger Harnabflussrinne und stationärem Schieber ausgegangen).

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Ammoniakverluste im Rindviehstall und Laufhof reduzieren

"Laufflächen mit Quergefälle und Harnsammelrinne": Oberflächen für raschen Harnabfluss kombiniert mit Einrichtungen zum raschen Abführen von Kot & Harn (Nr. 2)

Anforderung/Ziel
Rasche Drainage und saubere, trockene Lauffläche

Minderungsprinzip und Beschreibung
Rasches Abfliessen des Harns von der Lauffläche minimiert die Mischung von Kot und Harn. Dadurch werden die Ammoniakverluste reduziert.
Die Laufflächen sind mit einem Quergefälle von 3% und einer Harnsammelrinne sowie einem Schieber mit Rinnenräumer ausgestattet (siehe Abb. 31, S. 96 in Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft). Der Schieber reinigt während der Aktivitätszeit der Tiere alle zwei Stunden.

Begründung/Bemerkung
Es herrscht Konsens für emissionsmindernde Wirkung, basierend auf Messresultaten im Praxismassstab (Versuchsställe, Praxisbetriebe) [10-13]. Umsetzungserfahrungen und -empfehlungen sind vorhanden (KOLAS -BLW Themenblatt, Baumerkblatt Harnsammelrinnen, Versuchsstall der Agroscope ART). Praxiserfahrungen sind vorhanden, unter anderem Betrieb Waser und Erfahrungen von besuchten Betrieben "Herausforderungen und Lösungsansätze". 
Saubere und trockene Laufflächen wirken sich zudem positiv auf die Gesundheit der Klauen aus [8].
In Agrammon im Einzelbetriebsmodell mit kantonalen Anpassungen wird von Reduktion der Stallemissionen von 20% ausgegangen (provisorischer Wert). Im Agrammon Einzelbetriebsmodell und im Regionalmodell kann man aktuell manuell eine Minderungsmassnahme eintragen. Messungen im Agroscope Versuchsstall haben die Emissionsreduktion von 20% bestätigt (Stand Herbst 2016, Resultate vorerst für eine Wintervariante, weitere Ergebnisse folgen). Sobald mehr Messwerte von Agroscope vorliegen, werden diese ins Modell übernommen und die Massnahme auch in Agrammon Einzelbetriebsmodell aufgenommen.
Kann bei Neubauten ausgeführt werden, ist bei Umbauten häufig erschwert oder nicht realisierbar (z.B. Einbau der Harnrinne wegen Untergrund nachträglich nicht möglich, vorhandene Güllekanäle oder Güllegrube sind am falschen Ort).

Gemäss Verordnung des BLW über Investitionshilfen und soziale Begleitmassnahmen in der Landwirtschaft (IBLV) beteiligt sich der Bund ab 2018 mit einem Beitrag von Fr. 120.- pro GVE an der baulichen Umsetzung dieser Massnahme. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Kanton den selben Beitrag spricht und die technischen Anforderungen an die bauliche Ausführung und an den Betrieb der Anlagen gemäss den gültigen Empfehlungen der Forschungsanstalt Agroscope umgesetzt werden.

Links
Weiterbildungskurs für Baufachleute Agroscope; Emissionsversuchsstall
Downloads
KOLAS-BLW Themenblatt; Faktenblatt Versuchsstall Tänikon; ART-Baumerkblatt Harnsammelrinnen; Artikel UFA-Revue; Merkblatt Entmisten sicherer machen; Dokumentation von Schauer; Erste Ergebnisse Emissionsversuchsstall; ART Tagungsbeitrag Entmistungsschieber 2017 

Oberflächen mit raschem Abfluss von Harn kombiniert mit Einrichtungen zum raschen Abführen von Kot und Harn: Gerillter Boden mit gezähntem Schieber (Nr. 2)

Anforderung/Ziel
Rasche Drainage und saubere, trockene Lauffläche

Minderungsprinzip und Beschreibung
Durch rasches Abfliessen des Harns von der Lauffläche in den Flachkanal und wird die Stofffreisetzung reduziert.
Die Bodenrillen müssen mit Drainageöffnungen für den Harnablauf versehen werden. So werden Kot und Harn schnell getrennt. Zusammen mit der Schieberentmistung entsteht eine saubere, emissionsarme Bodenfläche, die gleichzeitig ausreichend Trittsicherheit für die Tiere bieten muss. (siehe Abb. 30, S.96 in Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft)

Begründung/Bemerkung
Bei Haltungssystemen mit Einstreu, wie sie laut Tierschutzverordnung in der Schweiz gefordert und nach BTS gefördert werden, ist ein Verstopfen der Harnabfluss-Löcher zu erwarten.
In den Niederlanden hat sich der Sleufvloer Typ A in der Praxis nicht durchgesetzt aufgrund von Verstopfung der Drainagelöcher, mangelnder Rutschfestigkeit sowie hoher Kosten für Flachkanal und Rillenbodenelemente.
Die Emissionsreduktion wurde in den Niederlanden wissenschaftlich bestätigt (sie betrug in einem Versuchsstall 46%)[59], jedoch wurden ursprünglich angegebene Werte inzwischen relativiert (19%, 16%) [60].
Agrammon alle Modelle: Es wird von einer Emissionsreduktion von 20% ausgegangen.
Umsetzung bei Neubau, der Umbau ist beschränkt möglich.

Fressstände: Erhöhter Fressbereich mit Abtrennung (je 2 Tiere oder einzeln) (Nr. 1)

Anforderung/Ziel
Minimierung der verschmutzbaren Fläche

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Reduktion der verschmutzten resp. emittierenden Fläche. Ein gegenüber der Lauffläche um 10-15 cm erhöhter Fressstand mit Gummimattenbelag und Trennbügeln bietet Ruhe beim Fressen sowie eine verformbare und trockene Standfläche. Die Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft sieht ein Quergefälle der Standfläche von 3% vor (siehe Abb. 28, S. 95).

Begründung/Bemerkung
Eine Minderung der NH3-Emissionen ist durch die Reduktion der verschmutzten Fläche und gleichzeitigem häufigem Entmisten zu erwarten [5, 6]. Fressstände bieten günstige Voraussetzungen für häufiges, automatisiertes Entmisten, da der Entmistungsschieber die fressenden Kühe nicht stört [7]. Es bestehen deutliche Synergien zum Tierwohl: Klauengesundheit [8], weniger Verdrängungen am Fressplatz [9]. Praxiserfahrungen sind vorhanden: unter anderem Betrieb Sutter und Hinweise von besuchten Betrieben "Herausforderungen und Lösungsansätze".
Agrammon: Eine Aufnahme dieser Massnahme ist bei der nächsten Revision des Einzelbetriebsmodells und Regionalmodells vorgesehen. Aktuell besteht in Agrammon die Möglichkeit diese Minderungsmassnahme in den Modellen Einzelbetriebsmodell und Regionalmodell manuell einzutragen. Am Weiterbildungskurs für Baufachleute im November 2017 hat Agroscope erste Ergebnisse der Messungen im Emissionsversuchsstall vorgestellt: Beitrag 1 (Ergebnisse Sommer- und Herbstmessung) und Beitrag 2 (Fressplatzabtrennung, Sauberkeit, Arbeitsaufwand).
Diese Massnahme lässt sich sowohl bei Neu- als auch bei Umbauten realisieren. Erfahrungen bei Umbauten: Artikel top agrar 1; Artikel top agrar 2.

Gemäss Verordnung des BLW über Investitionshilfen und soziale Begleitmassnahmen in der Landwirtschaft (IBLV) beteiligt sich der Bund ab 2018 mit einem Beitrag von Fr. 70.- pro GVE an der baulichen Umsetzung dieser Massnahme. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Kanton den selben Beitrag spricht und die technischen Anforderungen an die bauliche Ausführung und an den Betrieb der Anlagen gemäss den gültigen Empfehlungen der Forschungsanstalt Agroscope umgesetzt werden.

Links
Agroscope EmissionsversuchsstallWeiterbildungskurs für Baufachleute

Downloads
Präsentation Weiterbildungskurs für Baufachleute 2013; Faktenblatt Versuchsstall Tänikon; Artikel die grüne 2014 KlauengesundheitArtikel Landtechnik 2014 FressverhaltenArtikel ART 2016 Klauengesundheit; Merkblatt Entmisten sicherer machen

Niedrige Temperatur: Wärmegedämmte Dächer, Dachbegrünung, Berieselungssysteme auf Dachoberfläche, Hellere Dach- und Fassadenfarben (Nr. 4)

Anforderung/Ziel
Optimales Stallklima

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Verminderung der Temperatur an der emittierenden Oberfläche.

Begründung/Bemerkung
Für keine dieser Massnahmen ist eine Quantifizierung des NH3-Minderungspotenzials verfügbar.
Bei frei gelüfteten Ställen (Standard in der Schweiz) mit ausreichender Querlüftung und Dachhöhe (ab ca. 3,5 m) ist kein Temperatureffekt an den emittierenden Flächen zu erwarten, da im Stall thermische Prozesse durch windinduzierte Prozesse überlagert werden [62-66). Bei geschlossenen Ställen kann Wärmedämmung in der kalten Jahreszeit zu einem höheren Temperaturniveau führen.
Bei der Dachbegrünung und dem Berieselungssystem auf Dachoberflächen ist der Wasserverbrauch hoch.

Im Agrammon Einzelbetriebsmodell mit kantonalen Anpassungen beträgt die NH3-Minderung ca. 5% - 10% für die Wärmedämmung des Daches und für Dachberieselung; Im UNECE-Guidance-Document wird von einer Minderung von 20% bei optimaler Klimatisierung mit Dachisolierung ausgegangen.

Downloads
Weiterbildungskurs für Baufachleute;  2013 Artikel Green roofing 2007

Beschattung und Windschutz Laufhof (Nr. 6)

Anforderung/Ziel
Optimales Stallklima

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Verminderung der Temperatur und des Luftaustauschs über der emittierenden Oberfläche.
Dies soll durch Überdachung eines Teils des Laufhofes (unter Berücksichtigung der mindestens ungedeckten m2 pro Tier gemäss Anhang 2 RAUS-Verordnung) und Windschutz auf der exponierten Seite erreicht werden.

Begründung/Bemerkung
Es ist keine Quantifizierung des NH3-Minderungspotenzials verfügbar [67].
Gegenläufige Effekte sind möglich: Bei optimalem Laufhofklima können die Tiere mehr Zeit im Laufhof verbringen. Somit fällt ein grösserer Anteil der Exkremente im Laufhof an, was zu höheren Emissionen führen kann. Zudem besteht das Dilemma, dass der verminderte Luftaustausch über der emittierenden Oberfläche zu einem Hitzestau führen kann.
In Agrammon Einzelbetriebsmodell mit kantonalen Anpassungen wird für Beschattung und Windschutz im Laufhof in Kombination mit der Massnahme "Laufflächen mit Quergefälle und Harnsammelrinne" eine emissionsmindernde Wirkung angerechnet.

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Weiterbildungskurs für Baufachleute 2013

Bedarfsgerechte Fütterung zur Reduktion von Proteinüberschüssen (Nr. 7)

Anforderung/Ziel
Minimierung der N-Ausscheidung

Minderungsprinzip und Beschreibung
Eine ausgewogene Milchviehfütterung (ausgeglichenes Protein/Energie-Verhältnis) verringert den stärker emissionsgefährdeten Anteil von Stickstoff im Harn. Es gelangt generell weniger Stickstoff in den landwirtschaftlichen Kreislauf. Die Massnahme steht damit am Beginn der Ammoniak-Emissionskette (so genannte "Begin-of-Pipe-Massnahme").
Der Milchharnstoffwert (MHW) ist ein Indikator für Harn-Stickstoff-Ausscheidungen und für das Ammoniakverlustpotential. In welchem Ausmass daraus Emissionen entstehen, hängt von Stallbau, Hygiene, Haltung, Lagerung, Ausbringung und Witterung ab. Bei hohen MHW ist die Fütterung generell zu überprüfen. Dazu gehören unbedingt auch die Galtkühe und Aufzuchttiere.
Bei intensiver Weidehaltung wird häufig ein hoher MHW beobachtet (ausser bei Alpweiden). Das Ammoniakverlustpotenzial ist an sich hoch, aber bei weitgehender Ausscheidung auf der Weide (Vollweide) sind die Emissionen weniger kritisch.
In der Ammoniakstudie von SHL/Agroscope wurden dazu Modellrechnungen durchgeführt. Der Saisonalität im MHW ist Rechnung zu tragen. Im Winter werden zum Teil sehr tiefe MHW beobachtet. Es gibt auch einen kritischen Wert nach unten.

Begründung/Bemerkung
Emissionsmindernde Wirkung nachgewiesen [21-32]. Auf einzelbetrieblicher Stufe besteht Handlungspotential.
Es bestehen Synergien zur Tiergesundheit: Fruchtbarkeit, Euter- und Klauengesundheit können verbessert werden.
Dies ist eine wichtige Massnahme zur Verbesserung der Stickstoff-Effizienz, da Milchkühe rund 50% der NH3-Emissionen aus der landwirtschaftlicher Tierhaltung verursachen.
Die Massnahme wurde in den Kantonen GR, NW, OW, UR und ZG im Rahmen der Ressourcenprojekte getestet. Gegenwärtig wird sie durch die HAFL vertieft untersucht. Ziel ist abzuklären, ob die Massnahmen im Rahmen der Direktzahlungsverordnung ab 2019 mit einem Ressourceneffizienzbeitrag gefördert werden kann / soll.
In Agrammon Einzelbetriebsmodell und Regionalmodell werden Angaben zu der Zusammensetzung der Grundfutterration von Milchvieh erfasst: Eine Minderung der Gesamtemissionen ist um bis zu ca. 10 % möglich.
Die Massnahme ist im UNECE Guidance-Document aufgeführt mit Angabe von Zielwerten für Rohproteingehalt in der Ration und allgemeinen Ausführungen in Annex II.

Hinweise zur Umsetzung: Je höher der Anteil Grünfutter und insbesondere der Anteil auf der Weide gefressenen Futters an einer Ration, desto anspruchsvoller ist die Gestaltung ausgewogener Rationen. Z.B. wird geweidet, kann der MHW aufgrund des jungen proteinreichen Grases steigen.

Downloads
Studie A. Bracher. SHL, Agroscope; Ammoniak aus Rindviehställen 2012;  Ressourcenprojekt ZCH Schlussbericht

Chemowäscher

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Abscheidung von Ammoniak aus der Stallabluft.

Begründung und Bemerkungen
Es liegen keine gesicherten Ergebnisse zur Emissionsreduktion in diesem Anwendungsbereich vor. Chemowäscher sind nur bei zwangsgelüfteten Ställe wirksam, was dem aktuellen Trend und Empfehlungen im Stallbau in der Rindviehhaltung der Schweiz diametral entgegenläuft. Nicht für Haltungssysteme mit Laufhof geeignet.
Es gibt bislang keine zertifizierten Abluftreinigungsanlagen für Rindviehställe.
Die Massnahme ist im UNECE-Guidance-Document aufgeführt (Kategorie 2)

Link
DLG Prüfberichte

Downloads
KOLAS Themenblatt: Abluftreinigung für zwangsbelüftete Stallanlagen; Cercl'Air-Empfehlung Nr. 21-D

Entmistungsroboter

Minderungsprinzip und Beschreibung
Durch rasches Entfernen von Harn und Kot von der Lauffläche wird die Stofffreisetzung reduziert.

Begründung und Bemerkungen 
Es ist keine ausreichende Quantifizierung des NH3-Minderungspotenzials verfügbar, weder auf planbefestigten noch auf perforierten Böden.
Der Einsatz auf planbefestigten Böden ist noch nicht praxiserprobt.

Hinweis: Perforierte Böden emittieren aufgrund der grösseren emittierenden Oberfläche mehr Ammoniak als häufig gereinigte planbefestige Laufflächen mit Quergefälle, Harnrinne und Rinnenräumer.

Download
KOLAS Schlussdokument

Güllezusätze

Minderungsprinzip und Beschreibung
Güllezusätze können je nach Wirkungsweise in drei Gruppen eingeteilt werden:
Hemmung mikrobieller Umsetzungen in der Gülle 
Fördern und steuern der mikrobiellen Umsetzungen der Gülle
Beeinflussung der mikrobiellen Umsetzungen in der Gülle über "feinstoffliche Informationen"

Begründung und Bemerkungen
Gemäss KOLAS-Arbeitsgruppe, Dokument Allgemeine Anforderungen an Gesuche für einzelbetriebliche Massnahmen, ist die Wirkung betreffend Ammoniak nicht wissenschaftlich belegt. Die Internationale Bodenseekonferenz hat Informationen zum Stand des Wissens bez. Güllezusätzen zusammen getragen.

Downloads
IBK Dokument Güllezusätze 

Gülleseparierung

Minderungsprinzip und Beschreibung
Fest- und Flüssigphase der Gülle werden getrennt. In der Schweiz werden dazu meist Schraubenpressen eingesetzt.

Begründung und Bemerkungen
Es gibt keine gesicherten wissenschaftlichen Daten zur emissionsmindernden Wirkung über die ganze Hofdüngerkette, siehe Studie HAFL (sowie KOLAS Schlussdokument).
In Europa gibt es momentan kein Land, welches die Gülleseparierung wie praktiziert in der Schweiz als emissionsmindernde Massnahme betrachtet und anerkennt.

Downloads
Studie HAFL zu Gülleseparierung; KOLAS Schlussdokument

Ansäuerung der Gülle

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist das Absenken des pH-Werts der Gülle. Die Ansäuerung kann im Stall, bei der Lagerung oder bei der Ausbringung erfolgen.

Begründung und Bemerkungen
Grundsätzlich wurde die emissionsmindernde Wirkung von der Forschung bestätigt. Eine Literatur-Studie zur Ansäuerung von Gülle ist an der HAFL durchgeführt worden (Auftraggeber BLW). Eine Empfehlung betreffend breite Umsetzung liegt noch nicht vor (Stand Februar 2017). Die Studie der HAFL bestätigt das Potential dieser Massnahme. Voraussetzung für die Wirksamkeit der Ansäuerung ist jedoch, dass die Exkremente unmittelbar nach der Ausscheidung in ein Milieu mit niedrigem pH-Wert gelangen. Dies dürfte in der Praxis für Rindvieh nur bei einem gut gereinigten Vollspaltenboden und bei planbefestigten Böden mit Quergefälle und Schieber mit Rinnenräumer gegeben sein.
Auf den Stufen Lagerung und Ausbringung von Gülle beträgt die Emissionsminderung für NH3 rund 50 % bis mehr als 90 % bzw. 50 bis 60 %, wobei in einigen Versuchen auch niedrigere Werte gemessen wurden.
Fragen des Arbeitsschutzes und die Folgen auf den Pflanzenbau sind noch nicht abschliessend geklärt.

Download
Studie HAFL zu Gülleansäuerung

Häufiges Entmisten

Begründung und Bemerkungen
Die Reinigung eines planbefestigten Bodens an sich ohne weitere Massnahmen hat möglicherweise keinen Einfluss auf die NH3-Emissionen aus einem Laufstall/Laufhof [1-4]. Entscheidend für die NH3-Freisetzung ist, dass der Harn sofort in ein geschlossenes Güllelager abfliessen kann.
Aus Gründen der Tiersauberkeit und Klauengesundheit ist häufiges Entmisten jedoch generell zu empfehlen.
Agroscope variiert bei den Untersuchungen im Emissionsversuchsstall u.a. auch die Schieberfrequenz auf planbefestigten Laufflächen. Aktuell (März 2017) sind noch keine Ergebnisse bekannt.

Vernebelungs- und Sprinkleranlagen

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Verminderung der Temperatur an der emittierenden Oberfläche.

Begründung und Bemerkungen
Es ist keine Quantifizierung des NH3-Minderungspotenzials verfügbar. Dauernde Befeuchtung der Laufflächen birgt Gefahr für Mehremissionen. Synergien mit dem Tierwohl wären möglich.

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Weiterbildungskurs für Baufachleute 2013; KOLAS Dokument Anforderungen an Gesuche

Art und Menge des Einstreumaterials

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Absorption bzw. Adsorption von Harn.

Begründung und Bemerkungen
Die aktuelle Datenlage ist zu schmal, um konkrete Massnahmen ableiten zu können. Die Wirksamkeit ist nicht eindeutig belegt. Die physikalischen Eigenschaften (Urinabsorptionsvermögen, Schüttdichte) der Einstreumaterialien sind dabei massgebender als ihre chemischen Eigenschaften (pH, Kationenaustauschkapazität, Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis) [95-97].
Die Massnahme ist im UNECE-Guidance-Document aufgeführt (Kategorie 2).

Emissionsoptimierte Laufflächen

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel sind der rasche Abfluss von Harn und die Verminderung der emittierenden Bodenfläche: Beispielsweise Gummieinsätze für Spaltenböden für schnelles Ableiten des Harns oder auch spezielle Gummiklappen, die die Spalten schliessen.

Begründung und Bemerkungen
Derzeit liegen keine gesicherten Ergebnisse zur Emissionsreduktion vor. Probleme sind bei einigen der neuen Laufflächenausführungen bei Haltungssystemen mit Stroh und unter Frostbedingungen zu erwarten [19].
Die Massnahme ist im UNECE-Guidance-Document aufgeführt (Kategorie 2).

Bemerkung: Untersuchungen zu verschiedenen Laufflächenausführungen sind in den Niederlanden derzeit im Gange. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse und die Praxistauglichkeit unter CH-Haltungsbedingungen sind nach Abschluss der NL-Messungen zu prüfen.

Niedrige Temperatur: Aussenklimaställe (Nr. 4)

Anforderung/Ziel
Optimales Stallklima

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Verminderung der Temperatur an der emittierenden Oberfläche.

Begründung/Bemerkung

Emissionsmindernde Wirkung als Konsens basierend auf grundlegenden Wirkungsprinzipien und/oder Messresultaten im Labor oder halbtechnischen Massstab bestätigt, jedoch nicht im Praxismassstab (Versuchsställe, Praxisbetriebe).In der kalten Jahreszeit ermöglichen Aussenklimaställe ein tieferes Temperaturniveau als Ställe mit Zwangslüftung und Wärmedämmung. Im Sommer jedoch kommt es temperaturbedingt zu höheren NH3-Emissionen.
Aussenklimaställe für Milchvieh sind in der Schweiz weit verbreitet und können als Standard/Referenzsystem angesehen werden.
Anwendungsbereich: Normalerweise bei Neubau, bei Umbau bedingt möglich

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ART-Bericht Ammoniakverluste Laufstall 2011

Niedrige Luftgeschwindigkeit über verschmutzten Flächen (Nr. 5)

Anforderung/Ziel
Optimales Stallklima

Minderungsprinzip und Beschreibung
Ziel ist die Verminderung des Luftaustauschs über der emittierenden Oberfläche.

Begründung/Bemerkung
Gegenläufige Effekte sind möglich (Hitzestau versus Verminderung des Luftaustauschs über der emittierenden Oberfläche).

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Weiterbildungskurs für Baufachleute 2013



Die Nummern in Klammern bei den Massnahmetiteln stellen den Bezug her zur Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft (gemäss Tabelle 17, S. 45).

Alle Massnahmen in einer Tabelle

Hinweis: Damit sich die Wirkung der Massnahmen optimal entfalten kann, ist sinnvollerweise die gesamte Hofdüngerkette zu berücksichtigen. So sollen wann immer möglich noch offene Güllelager abgedeckt und die Gülle mit emissionsmindernden Verfahren ausgebracht werden.