Wissenstransfer Ammoniak

Reduktion der Ammoniakverluste aus der Landwirtschaft

Massnahmen Geflügel (in Erarbeitung)

Die Tabelle unten zeigt auf, ob und wenn ja welche Massnahmen zur Minderung von Ammoniakemissionen heute von Bund, Forschung und Kantonen zur Umsetzung empfohlen werden. Dabei werden die Massnahmen in die folgenden drei Kategorien aufgeteilt:

  1. Generelle Umsetzung in der Schweiz ohne Einzelprüfung
  2. Umsetzung fallspezifisch entsprechend dem betrieblichen Einzelfall (In der Regel ist eine fachliche wissenschaftliche Begleitung durch eine anerkannte Forschungsinstitution oder Fachbehörden nötig).
  3. Umsetzung zur Zeit nicht empfohlen, da Punkte dagegen sprechen oder noch nicht geklärt sind (z.B. Emissionsreduktion ist nicht wissenschaftlich bestätigt, die Erfahrungen in der Praxis fehlen oder andere Gründe wie z.B. hoher Energiebedarf sprechen dagegen).


Die Massnahmenliste zeigt den aktuellen Stand des Wissens (Stand: März 2019). Sie wird laufend von Forschung und Behörden geprüft und nachgeführt.

  • Alle
  • Generell empfohlen
  • In Einzelfällen empfohlen
  • Nicht empfohlen

Kotbandtrocknung und Entmistung in geschlossenes Lager (nur Legehennen) (Nr. 16)

Anforderung/Ziel
Rasche Kottrocknung und trockene, gedeckte Lagerung des Mists

Minimierungsprinzip und Beschreibung
Hemmung des mikrobiellen Abbaus von Harnsäure zu Ammoniak bei einem TS Gehalt von 60% und mehr.
Bei der üblichen Volieren- und Freilandhaltung trägt die Entmistung durch Kotbänder in eine geschlossene Lagerstätte ausserhalb des Gebäudes zur Minderung der Ammoniakemissionen bei, insbesondere wenn der Kot auf den Kotbändern durch Zwangslüftung auf einen Trockensubstanzgehalt von 60–70 % getrocknet wird. Wird der Kot über Kotbänder zu einem intensiv belüfteten Trocknungstunnel befördert, kann er nach weniger als 48 Stunden bereits einen Trockensubstanzgehalt von 60-80 % aufweisen.

Begründung/Bemerkung

Die Emissionsreduktion ist wissenschaftlich bestätigt [49-54] und Praxiserfahrungen sind vorhanden. Schweizer Werte existieren aktuell keine, es sind diesbezüglich jedoch Untersuchungen in Planung (Stand Feb. 2019).
Der Anwendungsbereich sind Legehennen, Junghennen in Volierensystemen mit Kotbandentmistung. Nicht alle Volierensysteme sind geeignet für einen Umbau.
Alle Agrammon-Modelle führen diese Massnahme auf: Emissionsreduktion bis 60 % im Vergleich zum System Kotbandentmistung ohne Kotbandtrocknung, bzw. bis 80% Emissionsreduktion im Vergleich zum System Bodenhaltung.
UNECE (Kategorie 1)

Bemerkungen: Erhöhter Energieverbrauch. Bei zu schneller Trocknung (z. B. im Sommer) kann sich viel Staub entwickeln.

Häufiges Entmisten der Kotbänder (Nr. 16)

Anforderung, Ziel
Rasche Kottrocknung und trockene, gedeckte Lagerung des Mists

Minderungsprinzip und Beschreibung
Verminderung der emittierenden Fläche
Mittels häufigem Entfernen des Kots aus dem Stall durch Kotbänder lässt sich eine starke Reduktion der Emissionen erzielen: Im Lager sind der Luftaustausch und die Temperatur über den emittierenden Flächen niedriger.

Begründung und Bemerkungen
Die Emissionsreduktion ist wissenschaftlich bestätigt [53, 55-58]. Schweizer Werte existieren aktuell keine, es sind diesbezüglich jedoch Untersuchungen in Planung (Stand Feb. 2019).

Der Anwendungsbereich sind Legehennen, Junghennen in Volierensystemen mit Kotbandentmistung. Die aktuelle Technik erfordert eine Überwachung des Betriebs des Kotbands, was einen entsprechenden Mehraufwand bedeutet. Es ist mit zusätzlichem Materialverschleiss zu rechnen.

Alle Agrammon-Modelle führen diese Massnahme auf. Die Emissionsminderung wird in Abhängigkeit der Entmistungshäufigkeit berechnet.

UNECE (Kategorie 1)

Bemerkung: Zu häufiger Betrieb des Kotbands führt zu einem niedrigeren TS-Gehalt des Kots und kann daher zu Blockbildung bei der Lagerung in einer Mulde oder einem Bunker führen.

Tränkesystem ohne Wasserverlust in Einstreu (Nr. 17)

Anforderung, Ziel
Trockene Bereiche „Tränkesystem“ bei Legehennen und Mastpoulets und „trockene Einstreu“ bei Mastpoulets

Minderungsprinzip und Beschreibung
Wasserverluste aus dem Tränkesystem sind zu vermeiden. So bleiben das Kotband und/oder die Einstreu trocken, was zu Verminderung der Ammoniakemissionen führt. Es sollten Nippeltränken mit Auffangschalen verwendet werden und keine Tränken im eingestreuten Bereich angebracht werden.

Begründung und Bemerkungen
Die Emissionsreduktion wurde quantifiziert (teilweise Nippeltränken ohne Auffangschalen untersucht) [50, 91-93]. Tränkesystem ohne Wasserverlust in Einstreu/Nippeltränke mit Auffangschalen ist bereits grossmehrheitlich Standard.

Alle Agrammon-Modelle führen diese Massnahme auf

UNECE (Kategorie 1).

Bemerkung: In der Bio-Legehennenhaltung sind Nippeltränken verboten, offenes Wasser kann jedoch mit Cuptränken erreicht werden.
Bei Bio-Mastpoulets sind Nippel mit Auffangschalen zugelassen.

Volierenhaltung mit Sitzstangen, ohne Kotbandbelüftung (Hennen)

Minderungsprinzip und Beschreibung
Verminderung der emittierenden Fläche

Begründung und Bemerkungen
Die Emissionsreduktion wurde quantifiziert [202], diese Massnahme ist im UNECE Guidance-Dokument aufgeführt (Kategorie 1).

Volierenhaltung ist in der Schweiz grossmehrheitlich Standard

Geringerer Rohproteingehalt im Futter (Nr. 19)

Anforderung, Ziel
Futterzusammensetzung

Minderungsprinzip und Beschreibung
Reduktion der Stickstoff-Ausscheidungen

Begründung und Bemerkungen
Die Emissionsreduktion wurde quantifiziert [200, 201]. Das Minderungspotenzial für Stickstoffausscheidungen durch Fütterungsmassnahmen ist bei Geflügel geringer als bei Schweinen, da die Futterverwertung bereits sehr effizient ist. Gemäss aktuellem Wissenstand (Aviforum) ist in der Schweiz kein Potenzial zur weiteren Reduktion des RP-Gehalts vorhanden.
Die Massnahme ist im UNECE Guidance-Document aufgeführt mit Angabe von Zielwerten für den Rohproteingehalt in der Ration und allgemeinen Ausführungen in Annex II.

Bemerkung zur Bioproduktion: Die Anpassung des RP-Gehaltes ist nur begrenzt möglich aufgrund des Verbotes des Einsatzes von synthetischen Aminosäuren.

Zugabe Aluminiumsulfat zur Einstreue bei Geflügel

Minderungsprinzip und Beschreibung
Verminderung des pH-Wertes und dadurch weniger Ammoniakbildung

Begründung und Bemerkungen
Die Emissionsreduktion wurde quantifiziert, jedoch ist die Datenlage schmal [100, 101]. Der Verbrauch an Aluminiumsulfat ist relativ hoch, um eine Wirkung erzielen zu können. Die Auswirkungen auf die nachfolgenden Stufen wie Biogasanlagen, Boden oder Grundwasser sind nicht untersucht.

Diese Massnahme ist im UNECE Guidance-Dokument aufgeführt (Kategorie 2).
 

Bodenhaltung mit Misttrocknung mit Innenluft (Legehennen, Mastpoulets)

Minderungsprinzip und Beschreibung
Warme Deckenluft wird mit Ventilatoren über die Einstreue geleitet. Dadurch sinkt der Feuchtigkeitsgehalt des Kots, wodurch die Hydrolyse von Harnsäure zu Ammoniak gehemmt und die Ammoniak-Emissionen reduziert werden [203] Für die Hydrolyse werden Wasser und Enzyme, die von Mikroorganismen im Kot gebildet werden, gebraucht.

Begründung und Bemerkungen
Die Emissionsreduktion ist im Praxismassstab nicht quantifiziert. Es sind weitere Abklärungen erforderlich. So sind beispielsweise die Fragen zur Staubentwicklung nicht geklärt.
Diese Massnahme ist im UNECE Guidance-Dokument aufgeführt (Kategorie 1).

Der Energieverbrauch der Ventilatoren kann hoch sein.

Bio- und Chemowäscher bei zwangsbelüfteten Ställen (Nr. 18)

Anforderung, Ziel
Abluftreinigung

Minderungsprinzip und Beschreibung
Abscheiden von Ammoniak aus der Stallluft
Die Ammoniakminderung in der Abluft im Stall (gefasster Bereich) durch einen Biowäscher liegt bei rund 70%. Chemowäscher können bis zu 95% des Ammoniaks binden.

Begründung und Bemerkungen
Folgen in Kürze (Stand 1.3.2019)

Download

 

Die Nummern in Klammern bei den Massnahmetiteln stellen den Bezug her zur Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft (gemäss Tabelle 17, S. 45).

Alle Massnahmen in einer Tabelle (folgt noch nach Klärung Thema Abluftreinigung; Stand: 1.März 2019)

Hinweis: Damit die Massnahmen ihre Wirkung optimal entfalten können, ist die gesamte Hofdüngerkette zu berücksichtigen. So sollen wann immer möglich noch offene Güllelager abgedeckt und die Gülle mit emissionsmindernden Verfahren ausgebracht werden.